Das Milton Keynes University Hospital (MKUH) NHS Foundation Trust ist ein mittelgroßes Bezirkskrankenhaus, das alle Leistungen bei akuten Erkrankungen und eine steigende Anzahl von fachärztlichen Leistungen für die wachsende Bevölkerung von Milton Keynes und seiner Umgebung bereitstellt. Mit rund 550 Betten und mehr als 4.000 Beschäftigten versorgt das Krankenhaus jährlich etwa 400.000 Patienten ambulant und stationär.

Erweiterung zur Deckung des Bedarfs der Bevölkerung
In den letzten zehn Jahren hat das Milton Keynes University Hospital (MKUH) beträchtlich in seine Gebäude investiert und eine Reihe neuer Leistungen und Behandlungsverfahren entwickelt, um Versorgung und Zufriedenheit der Patienten zu verbessern. Das Krankenhaus wurde ursprünglich 1984 erbaut und musste im Laufe der Zeit erheblich vergrößert werden, um den zunehmenden Bedarf zu decken, denn Milton Keynes ist eine der am schnellsten wachsenden Gemeinden in Großbritannien. Um dieser steigenden Nachfrage gerecht zu werden, sind weitere Baumaßnahmen geplant, denn der Bedarf wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen.
Im Rahmen des Programms der britischen Regierung für neue Krankenhäuser (New Hospital Programme, NHP) – dem größten Bauprogramm für Krankenhäuser seit einer Generation – wurden dem MKUH Geldmittel für die Verbesserung seiner Liegenschaften gewährt.
Claire Orchard, Head of Digital Innovation am MKUH, arbeitet mit dem Strategic Estates-Team des Trusts zusammen, das die Bauvorhaben beaufsichtigen wird. Der Trust verbessert laufend seine Einrichtungen für Mitarbeiter und Patienten, wobei das NHP-Team bei der Umsetzung der Strategie für die Liegenschaften und die Infrastruktur des MKUH hilft. Damit soll das Ziel erreicht werden, das Krankenhaus als herausragende Institution zu profilieren.
Entwicklung einer Datenstrategie mit Building Information Modeling (BIM)
Claire Orchard und das Team haben 2020 ihre Arbeit aufgenommen und schnell erkannt, dass die bisherige Arbeitsweise noch ausbaufähig ist, was die intelligente Nutzung von Daten und die Implementierung einer Strategie für die Gebäudedatenmodellierung (Building Information Modeling, BIM) bei ihren Liegenschaftsprojekten angeht. „Bei der Erstellung der erforderlichen Daten für die Verwaltung und Instandhaltung unserer Gebäude gab es noch Verbesserungspotenzial. Auch sollte der Zugriff auf diese Daten schneller und einfacher gestaltet werden“, so Orchard.
Orchards Team wandte sich an Symetri, einen Autodesk Construction Cloud-Partner, der Unternehmen in der Bau-, Infrastruktur- und Fertigungsbranche bei der Optimierung ihrer Arbeitsmethoden und der qualitativen Verbesserung ihrer Projektabwicklung unterstützt.
Das Team bei Symetri brachte gemeinsam mit Claire Orchard und dem Strategic Estates-Team das BIM-Projekt und die Verbesserung des Datenerfassungsprozesses auf den Weg – einschließlich einer Analyse des Informationsbedarfs für die Verwaltung und Technik der Gebäude (Asset Information Requirements, AIR) und des Informationsaustauschbedarfs (Exchange Information Requirements, EIR), um den Anforderungen des Krankenhausbetriebs möglichst genau zu entsprechen. Dazu hat das Team zuerst die gesamten BIM-Prozesse und die Gesamtstrategie für das MKUH analysiert. Dies geschah in Zusammenarbeit mit allen betroffenen Abteilungen, von den Teams für Umbauten bis hin zu den Teams für Gebäudemanagement, Betrieb und Medizin.

Informationslücken schließen
Claire Orchard und das Team haben eine Möglichkeit gefunden, die BIM-Prozesse bei bereits abgeschlossenen Projekten im Nachhinein zu betrachten. Ein Beispiel dafür war der Bau des Krebszentrums, das 2019 fertiggestellt und eröffnet wurde. Beim Bau dieses Zentrums wurde BIM leider noch nicht vollständig genutzt.
„Wir erkannten schnell, dass unsere damalige Arbeitsweise ineffizient war, weil unsere Gebäudedaten lückenhaft waren. Beim Bau des Krebszentrums legten viele externe Projektbeteiligte ihre Daten in ihrer eigenen gemeinsamen Datenumgebung (CDE) ab. Und einige Daten fehlten leider völlig.
Dafür ein Beispiel: Wir mussten ein Glasfenster im Krebszentrum austauschen. Wir hatten zwar die Maße für das Fenster, aber uns fehlten Informationen über den genauen Farbton des verwendeten Glases.
Ein anderes Beispiel waren die föderierten 3D-Modelle unserer Partner aus Architektur, Ingenieur- und Bauwesen. Unter einem föderierten BIM-Modell versteht man eine Reihe von 3D-Modellen, die sich auf bestimmte Disziplinen wie Architektur, Tragwerk, Anlagenbau usw. beziehen und in einer einzigen Ansicht integriert sind, um ein einziges vollständiges digitales Gebäudemodell zu erstellen, das multidisziplinär und umfassend ist. Eines der Modelle war kein föderiertes Modell und besaß damit keine genaue Positionierung im Vergleich zu den anderen Modellen.“
An diesen Beispielen wurde deutlich, dass der Trust keine Darstellung des tatsächlich gebauten Zustands des Krebszentrums besaß. Daher wandte Claire Orchard sich erneut an Symetri, um das MUKH bei einem Pilotprojekt für die Verwendung des COBie-Datenschemas zu helfen. Der COBie-Standard (Construction-Operations Building Information Exchange) definiert Informationen für Anlagen, die im Rahmen eines Facility-Bauprojekts geliefert werden, und wird verwendet, um die Daten für den BIM-Prozess (Building Information Modeling) zu dokumentieren. Solche Daten helfen auch bei der Erstellung eines digitalen Zwillings.
Das MKUH führte dieses Pilotprojekt mithilfe von Tools in der Autodesk Construction Cloud durch.
„Es war wichtig, dass wir anhand der gelernten Lektionen aus dem Bau unseres Krebszentrums analysierten, wo Lücken bestehen und wie wir unsere BIM-Strategie für künftige Projekte verbessern können. Wir mussten von unseren bisherigen Arbeitsmethoden abrücken und auf Technologien und Daten zugreifen, um sie strategisch für alle Projektbeteiligten des Krankenhauses nutzbar zu machen.“
Das Team wandte die in seinen EIR und AIR formulierte Strategie an. Das Ziel war dabei die nachträgliche Erstellung eines BIM-Modells des Krebszentrums mithilfe eines COBie-Datenschemas.
„Um die vom MKUH im Rahmen seiner neuen BIM-Strategie verwendeten Daten optimal zu nutzen, stellten wir bald fest, dass das Liegenschaftsteam eine Lösung brauchte, mit der Daten reibungslos durch den gesamten Projektlebenszyklus fließen können. Die Daten sollten für die Teamkollegen und Projektpartner visualisierbar sein, damit sie sie einfach verstehen und sich darin zurechtfinden konnten. Auch sollte es eine Lösung sein, bei der alle Daten zentral an einem Ort gespeichert werden“, schildert Richard Brayshaw, Construction Business Area Director bei Symetri.

Eine gemeinsame Datenumgebung zur Erfassung von Informationen und Einhaltung von Standards
Mithilfe der Autodesk Construction Cloud als gemeinsamer Datenumgebung integrierte das MKUH verfügbare 3D-Modelle, eine Sammlung von 2D-Zeichnungen und ein Sortiment an Prozess- und Wartungshandbüchern aus dem Planungs-, Entwurfs- und Bauausführungsprozess des Krebszentrums, um das Pilotprojekt zu entwickeln.
„Wenn wir in dieser Umgebung alle unsere gemeinsamen Daten erfassen, können wir die Versionskontrolle vereinfachen und sicherstellen, dass unsere Projektdaten immer auf dem neuesten Stand sind und den Standards der ISO-Norm 19650 entsprechen. Dabei handelt es sich um eine internationale Norm für die Verwaltung von Informationen über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes hinweg“, so Claire Orchard.
Mithilfe der Autodesk-Produkte Docs, Tandem und Revit entwickelte das Team sein COBie-Modell. Darüber hinaus entwickelte es eine strukturierte Methode zum Speichern relevanter Projektdokumente, die dynamisch mit jedem Gebäude verknüpft und in einem 3D-Modell visualisiert werden konnten, um einen frühen digitalen Zwilling zu erstellen.
„Üblicherweise leisten die NHS-Trusts bei Krankenhausprojekten keinen Beitrag zur gemeinsamen Datenumgebung bzw. zum BIM-Prozess. Die Ergebnisse aus unserer nachträglichen Erstellung des Gebäudedatenmodells für das Krebszentrum machten für uns auch deutlich, dass wir mit einer gemeinsamen Datenumgebung und durch die Mitwirkung am Erstellen der dazugehörigen Prozesse bessere Ergebnisse erzielen könnten. Dadurch könnten wir uns leichter in zukünftige Bauprojekte einarbeiten und sicherstellen, dass wir Daten sammeln, die für den Trust nützlich sind“, so Claire Orchard.
Daten zur Entwicklung einer fundierten Liegenschaftsstrategie für den Krankenhaus-Trust
Anhand des mit der Autodesk Construction Cloud entwickelten Pilotprojekts kann das Team nun alle wichtigen Informationen über das Krebszentrum abbilden, die das Estates-Team des Trusts benötigt. Für zukünftige Projekte bedeutet dies, dass wichtige Daten nach der Übergabe eines fertigen Gebäudes an den Trust nicht mehr verloren gehen.
Für das MKUH bedeutet die vernetztere und digitalere Arbeitsweise an seinem Liegenschaftsportfolio, dass es seine Methodik mit jedem Projekt iterativ verbessern kann.
„Wir haben vor, unsere Arbeitsabläufe beim Bau zukünftiger Projekte in Echtzeit anzuwenden und zu testen. Wir werden in der Lage sein, unsere Prozesse in einer Live-Umgebung zu betrachten und effektiver mit unseren Projektpartnern und unseren Lieferanten zusammenzuarbeiten. Auf diese Art der Zusammenarbeit freue ich mich sehr. Ich bin gespannt darauf, mehr darüber zu lernen, wie wir Gebäudedaten und IoT-Technologie nutzen können, um Versorgung und Zufriedenheit unserer Patienten am MKUH weiter zu verbessern.“
– Claire Orchard, Head of Digital Innovation, MKUH